«Spannungsfeld 10-Mio-Bevölkerung und Bilaterale III»
7. Mai 2026 – Einmal mehr organisierte Die Mitte Kanton Zug mit ihren Vereiniungen – Mitte 60+, die Junge Mitte sowie die AWG Zug – einen höchst spannenden und hochkarätig besetzten Anlass vor vollen Rängen. Im Mittelpunkt des etablierten Formats «Talks im Gotischen Saal» anfangs Mai stand die Nachhaltigkeitsinitiative, über die der Souverän am 14. Juni 2026 befindet. Aus unserer Sicht muss diese Initiative im Spannungsfeld mit den Bilateralen III thematisiert werden.
Vor einem Jahr führte der Talk im Gotischen Saal eine klassische Pro- und Contra-Debatte. Dieses Jahr entschieden wir uns – auch aufgrund zahlreicher Rückmeldungen – bewusst für ein Podium mit Befürwortern. Wir wollten weg von einer plakativ schwarz-weissen Diskussion und mehr Zeit dafür nutzen, befürwortende Positionen auf deren Relevanz und Stichhaltigkeit hin zu hinterfragen.
Manuela Käch, neu gewählte Parteipräsidentin der Mitte Kanton Zug, übergab nach der Begrüssung das Wort für ein Input-Referat an Ständerat Benedikt Würth. Er betonte, dass die Schweiz seit 30 Jahren europäisches Binnenmarktrecht übernimmt und damit erfolgreich ist. 59 % der Exporte gehen in die EU, den wichtigsten Handelspartner. Bei Annahme der Initiative müssten nach Überschreiten der 10-Millionen-Grenze internationale Abkommen gekündigt werden, darunter die Personenfreizügigkeit; auch Freihandelsabkommen kämen unter Druck.
NZZ-Redaktorin Christina Neuhaus eröffnete den Talk mit der Frage nach den Folgen bei einer Annahme. Einig war man sich, dass diese je nach Region unterschiedlich ausfallen würden. Klar ist, dass Arbeitskräfte fehlen und Versorgung, Infrastruktur sowie AHV unter Druck geraten würden. Es fehlten AHV-Gelder und wir müssten unsere Ansprüche spürbar reduzieren.
Beim Thema Dichtestress, Wohnungsnot und Zuwanderung zeigte sich kein klarer Lösungsweg. Dichtestress wird vor allem in Städten wahrgenommen, während andere Regionen weniger betroffen sind. Ursachen seien unter anderem die zu geringe Bautätigkeit sowie blockierende Einsprachen und Raumplanungsvorgaben. Natürlich besteht Handlungsbedarf, der unmittelbar angegangen werden muss. Der Bundesrat müsse stärker führen, etwa beim Asylvollzug und der konsequenten Umsetzung des Inländervorrangs. Probleme sollten gezielt angegangen werden.
Auch die demografische Entwicklung verschärft die Lage: In 20 Jahren werden deutlich weniger Menschen arbeiten, was den Fachkräftemangel verstärkt und den Bedarf an ausländischen Arbeitskräften erhöht.
Im Austausch mit dem Publikum wurden zentrale Fragen zur Attraktivität der Schweiz diskutiert, etwa mögliche steuerliche oder wirtschaftliche Einschränkungen.
Fazit: Die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz (Nachhaltigkeitsinitiative)» würde bestehende Probleme nicht lösen, sondern neue ‘Baustellen’ schaffen, den Wohlstand gefährden und wirtschaftliche sowie aussenpolitische Unsicherheiten verstärken. Gleichzeitig zeigt sich, dass Sorgen in der Bevölkerung – etwa zu Wohnen, Verkehr und Kaufkraft – ernst genommen werden müssen.
Text und Bilder: Lisa Hertig




